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Weltweit erste Grüne Bioraffinerie für Grassilage eröffnet
Die Grüne Bioraffinerie in Utzenaich ist ab sofort in Betrieb. In dieser Demonstrationsanlage wird das in Fabrik der Zukunft entwickelte Technologiekonzept zur vollständigen Verwertung von grüner Biomasse erstmals Realität: Aus Gras-Silage werden mit modernsten Trenntechnologien hochwertige Aminosäuren und Milchsäure gewonnen. Die festen Rückstände werden in der angeschlossenen Biogasanlage in CO2-neutrale Energie umgewandelt. Dadurch wird aus Gras eine hohe stoffliche sowie energetische Wertschöpfung erzielt. Der Einsatz von lagerfähiger Gras-Silage ermöglicht den Ganzjahresbetrieb der Anlage.
Am 27. Mai 2009 fand die feierliche Eröffnung und Inbetriebnahme der Bioraffinerie Utzenaich in Oberösterreich statt. Diese europaweit richtungweisende Anlage wurde auf Basis von zahlreichen Forschungsarbeiten aus dem Programm Fabrik der Zukunft entwickelt und von einer internationalen Jury als Leuchtturmprojekt der Innovation mit großer Breitenwirkung ausgezeichnet.
Abbildung 1: Offizieller Start der Grünen Bioraffinerie
v.l.n.r.: Josef Höckner (Ökoenergie Utzenaich GmbH), MR DI Michael Paula (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie), Dr. Josef Stockinger (Agrarlandesrat), Dr. Leo Windtner (Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich), KommR Viktor Sigl (Wirtschaftslandesrat), Dr. Horst Steinmüller (Geschäftsführer des Energieinstitutes an der Johannes Kepler Universität Linz als Forschungsleiter), Rudi Anschober (Umweltlandesrat), Ing. Kurt Sonnleitner (Vorstandsdirektor der Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft - RAG), KommR Mag. Alois Froschauer (Generaldirektor der Linz AG), Dr. Gerhard Zettler (Vorstand OÖ Ferngas), DI Helmut Wiedenhofer (Leiter der Forschungsplanung, Technologieberatung und Projektmangement am Joanneum Research Graz); Foto: Land Oö/Silber
Abbildung 2: Urkundenüberreichung durch MR DI Michael Paula (BMVIT) an Dr. Horst Steinmüller (Energieinstitut, Uni Linz)
Konzept Grüne Bioraffinerie
Die Grüne Bioraffinerie will – analog zu einer Erdölraffinerie – den Rohstoff "Gras" möglichst vollständig verarbeiten und dabei eine Vielzahl verkaufbarer Produkte herstellen. Frisches Gras hat allerdings den wesentlichen Nachteil nur wenige Monate im Jahr verfügbar zu sein. Deshalb setzt das österreichische Forscherteam auf Gras-Silage, denn im Silo gelagertes Gras ist ganzjährig verfügbar.
Im ersten Verarbeitungsschritt wird die Gras-Silage gepresst. Anschließend werden aus dem Press-Saft Milchsäure und Aminosäure als wichtige Grundstoffe für die Industrie gewonnen. Die dabei eingesetzten Trenntechnologien müssen einerseits effektiv und effizient zur gewünschten Produktreinheit führen und dürfen andererseits die Inhaltsstoffe nicht zerstören. Die festen Rückstände des Pressvorgangs werden in der bereits bestehenden Biogasanlage zur Energiegewinnung genutzt.
Abbildung 3: Saft-Presse
Abbildung 4: Gras, Presskuchen, Grassaft, Grassaft nach 1. Reinigungstufe
Demonstrationsanlage Utzenaich
In der Demonstrationsanlage am Standort der Biogasanlage Utzenaich wird bis zu vier Tonnen Gras-Silage pro Stunde gepresst. Die anschließende Aufarbeitung zu Milchsäure und Aminosäuren ist für 100 Liter Gras-Saft pro Stunde ausgelegt. Daraus können 6 bis 12 kg Aminosäure und 12 bis 16 kg Milchsäure pro Stunde gewonnen werden.
Über einen Zeitraum von zwei Jahren soll im Technikumsmaßstab aufgezeigt werden, welche Verfahrensverschneidung notwendig ist, um im industriellen Maßstab marktfähige Produkte zu gewinnen.
Abbildung 5: Schema der grünen Bioraffinerie Utzenaich
Abbildung 6: Ausschnitt aus der Technikumsanlage in Utzenaich
Technische Daten
- Rohstoff: 3,3 Tonnen Silage pro Tonne Trockensubstanz
- Pressung: bis zu 4 Tonne Silage pro Stunde
- Aufbereitung: 100 Liter Gras-Saft pro Stunde
- Produktion: 6 - 12 kg Aminosäure pro Stunde
12 - 16 kg Milchsäure pro Stunde
Die Errichtung der Demonstrationsanlage wurde finanziert von:
BMVIT mit Fabrik der Zukunft, Land Oberösterreich, Kommunalkredit Private Consulting, Energie AG, Linz AG, OÖ. Ferngas, RAG
Eröffnung und Inbetriebnahme der Grünen Bioraffinerie Mai 2009
Quelle: Erika Ganglberger (ÖGUT)
Weitere Informationen:
- Ausgangssituation
- Konzept der Grünen Bioraffinerie
- Hauptprodukte der Grünen Bioraffinerie
- Verwertung der Grasfaserfraktion
- Gewinnung von Proteinen aus Grassäften
- Gewinnung von Milchsäure aus Grassilagesaft
Artikel zum Thema:
- Rohstoffquelle Gras - Erste Grüne Bioraffinerie in Österreich verwertet überschüssige Grünlandbiomasse (5/2009)
- Weltneuheit: Gras statt Erdöl (12/2006)
Die Projekte im Rahmen von Fabrik der Zukunft
Im Rahmen des Programms "Fabrik der Zukunft" wurden in mehreren Teilprojekten die Grundlagen für ein wirtschaftlich rentables Modell einer Grünen Bioraffinerie in Österreich erarbeitet. Ausgangspunkt war ein Projektbündel "Grüne Bioraffinerie", welches sich aus drei Teilprojekten mit jeweils eigenen Zielen zusammensetzt:
Grüne Bioraffinerie - Verwertung der Grasfaserfraktion
Projektleitung
DI Dr. Bruno Wachter, DI Michael Mandl, Dr. Herbert Böchzelt, Ao. Univ.-Prof.
DI Dr. Hans Schnitzer
JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, Institut für Nachhaltige
Techniken und Systeme (JOINTS),
A-8010 Graz, Elisabethstrasse 16-18 und A-8230 Hartberg, Am Ökopark 7
(Außenstelle Hartberg), www.joanneum.at
Grüne Bioraffinerie - Gewinnung von Proteinen aus Grassäften
Projektleitung
Dipl.-Ing. Dr. Christian Krotscheck und Dipl.-Ing. Dr. Stefan Kromus
Kornberg Institut für nachhaltige Regionalentwicklung und angewandte
Forschung,
Steirisches Vulkanland Regionalentwicklung GmbH
Haus der Region, Dörfl 2, A-8330 Feldbach
Tel.: 03152/8575-330 (Fax: 8575-335), ckrotscheck@imzentrum.at
Grüne Bioraffinerie - Gewinnung von Milchsäure aus Grassilagesaft
Projektleitung
Dipl.-Ing. Dr. Christian Krotscheck und Dipl.-Ing. Dr. Stefan Kromus
Kornberg Institut für nachhaltige Regionalentwicklung und angewandte
Forschung,
Steirisches Vulkanland Regionalentwicklung GmbH
Haus der Region, Dörfl 2, A-8330 Feldbach
Tel.: 03152/8575-330 (Fax: 8575-335), ckrotscheck@imzentrum.at
Alle drei Teilprojekte wurden 2003 abgeschlossen. Im Rahmen dieses Projektbündels konnte ein Know-How Vorsprung gegenüber anderen europäischen Forschungsprojekten zu diesem Thema erreicht werden. Durch die Fortsetzung dieser Arbeiten und die Errichtung einer Pilotanlage kann diese Technologieführerschaft weiter ausgebaut werden.
Als Fortsetzung wurden zwei weitere Teilprojekte umgesetzt, die beide 2005 abgeschlossen wurden. Diese Fortsetzungsprojekte dienten der Vertiefung und Weiterentwicklung der bestehenden Ergebnisse bzw. der Bearbeitung spezieller Fragestellungen, die sich aus den vorhergehenden Arbeiten ergeben haben:
F1 Grüne Bioraffinerie - Aufbereitung und Verwertung der Grasfaserfraktion
ProjektleitungDI Michael Mandl, DI Niv Graf, Ing. Angela Thaller, Dr. Herbert Böchzelt,
Prof. Hans Schnitzer
JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, Institut für Nachhaltige
Techniken und Systeme (JOINTS),
A-8010 Graz, Elisabethstrasse 16-18, www.joanneum.at/nts
F2 Grüne Bioraffinerie - Aufbereitung und Verwertung der Grasfaserfraktion
Projektleitung
Dr. Senad Novalin
Universität für Bodenkultur Wien
Department für Lebensmittelwissenschaften und -technologie
Muthgasse 18, 1190 Wien
Tel.: 01-36006-6288, Fax.: 01-36006-6251, senad.novalin@boku.ac.at